Was ist dmXLAN? Lichtdaten im Netzwerk, verständlich erklärt
Get-in am Morgen. Die Traversen hängen auf Arbeitshöhe, 200 Scheinwerfer sind verkabelt. Bevor alles hoch ins Dach fährt und gesichert wird, muss klar sein: Leuchtet alles, stimmen die Adressen, bewegen sich die Köpfe? Was erst oben auffällt, holt man nur mit viel Aufwand wieder herunter. Nur ist das Pult um diese Uhrzeit oft noch gar nicht gepatcht, oder der Operator kommt erst zur Probe.
Mit einem dmXLAN-System braucht es dafür kein Pult. Die kostenlose Software testet die Scheinwerfer direkt aus dem Netzwerk. Der Addressierungstest geht die Geräte nacheinander durch: Movingheads fahren in die Home-Position und öffnen den Shutter, alle anderen Geräte geben kurz Licht als Signal. Der Parameter Test fährt danach jede Funktion einzeln ab. Von welchem Hersteller Scheinwerfer oder Konsole stammen, spielt dabei keine Rolle.
Dazu kommt ein Trumpf, den viele erst im Ernstfall zu schätzen lernen: Einzelne Geräte, Gruppen oder spezifische Kanäle lassen sich via dmXLAN sperren. Der dmXLAN Node hält diese dann auf festen Werten und überschreibt dabei sogar angeschlossene Steuerpulte. Der Systemtechniker behält immer die volle Kontrolle.
Kontrolle unabhängig vom Pult: Das ist die Grundidee hinter dmXLAN.
Basiswissen in 60 Sekunden: Was ist eigentlich DMX?
Falls Sie mit Lichttechnik wenig zu tun haben, sollte folgender Absatz reichen:
DMX (genauer: DMX512) ist seit Jahrzehnten der Industriestandard zur Steuerung von Bühnen- und Effektlicht. Über ein DMX-Kabel laufen bis zu 512 Steuerkanäle. Jeder Kanal funktioniert wie ein Drehregler für eine Eigenschaft eines Scheinwerfers: Helligkeit, Farbe, Position, etc. Ein Bündel aus 512 Kanälen wird Universum genannt. Ein einfacher Dimmer belegt in der Regel einen Kanal, ein Moving Light oft 16 oder mehr.
DMX ist simpel und robust, hat aber zwei eingebaute Schwächen. Das Signal läuft nur in eine Richtung, der Scheinwerfer kann also nicht zurückmelden, ob er überhaupt zuhört. Und wer viele Universen braucht, zieht klassisch für jedes ein eigenes Kabel durch die Location.
Die Branche hat darauf im Laufe der Zeit zwei Antworten gefunden:
- Lichtdaten wandern ins Ethernet-Netzwerk. Protokolle wie Art-Net oder sACN transportieren DMX-Daten über normale Netzwerktechnik. sACN skaliert dabei auf bis zu 63.999 Universen. Statt einer Einbahnstraße pro Stadtteil gibt es jetzt ein Autobahnnetz.
- RDM (Remote Device Management) ergänzt den Rückkanal. Geräte lassen sich damit finden, aus der Ferne adressieren und auf ihren Zustand abfragen. Ohne Leiter, ohne Schraubendreher.
Was dem Autobahnnetz noch fehlt, sind eine Verkehrsleitzentrale und passende Auf- und Abfahrten. Das ist die Rolle eines dmXLAN Systems.
Was ist dmXLAN konkret?
dmXLAN ist kein einzelnes Gerät, sondern ein System von ELC, einer Marke des niederländischen Herstellers Evenution. Evenution baut seit über 25 Jahren Lösungen für die Entertainment-Produktion: Switches, Nodes, Remote-Controller, Recorder, Sequenzer und Software rund um das DMX-Protokoll.
Die Bausteine:
- dmXLAN v4: die kostenlose Steuer- und Konfigurationssoftware für Windows und macOS. Sie ist die Zentrale des Systems. Einrichten, überwachen, testen und Fehler suchen, alles an einem Ort und mobil.
- Nodes: die Übersetzer zwischen Netzwerk und DMX-Kabel, vom kompakten 2-Port-Gerät bis zur 19-Zoll-Einheit mit 24 Anschlüssen.
- Switches: Netzwerkverteiler, die speziell für Live-Anwendungen entwickelt wurden.
- Recorder und Controller: etwa der ShowstoreGBx, der Lichtshows aufzeichnet und ohne Pult wieder abspielt.
- Mobile Apps: dmXLAN QR für die Adressierung per QR-Scan und der Fixture Tester für iOS und iPadOS.












Zur ehrlichen Einordnung: Die Software erkennt und überwacht auch Fremdgeräte, die Art-Net, sACN oder ShowNet senden. Sie sieht also über den Tellerrand. Konfigurieren lassen sich aus dmXLAN heraus aber nur die ELC-Geräte. Den vollen Funktionsumfang gibt es im Zusammenspiel mit der ELC dmXLAN Hardware. dmXLAN v4 ist die gratis mitgelieferte Kommandozentrale des Systems, kein Universalwerkzeug für beliebige Fremdfabrikate.
Die wichtigsten Geräte im Steckbrief
Vorweg: Die Kernfunktionen des Systems dmXLAN sind nicht an ein bestimmtes Modell gebunden. Mergen (HTP/Priority), Softpatch, DMX-Backup, dmXLAN QR und die Unterstützung von Visualisierungslösungen wie WYSIWYG, ESP Vision oder Capture beherrschen alle dmXLAN Geräte. Die folgenden Steckbriefe konzentrieren sich deshalb auf das, was die Geräte voneinander unterscheidet.
dmXLAN nodeGBx 8, das Arbeitstier. Acht bidirektionale, optisch isolierte 5-Pol-XLR-Anschlüsse, frei konfigurierbar als DMX-Ausgang, DMX-Eingang mit optionalem RDM. Dazu zwei Gigabit-etherCON-Ports und ein Farbdisplay. Jeder Anschluss überwacht sein DMX-Signal aktiv und zeigt seinen Zustand über eine RGB-Status-LED. Fehler erscheinen auf dem Display und in der Software.
dmXLAN nodeHD 24, das große Arbeitstier. Wenn acht Ports nicht reichen: 24 bidirektionale, optisch isolierte DMX-Ports in einem 19-Zoll-Gehäuse, dazu zwei Gigabit-etherCON-Ports und Farbdisplay mit Drehregler für die Bedienung vor Ort. Die Anschlüsse sitzen auf zwei Modulen mit je 12 DMX-Ports, wahlweise als etherCON-Modul (vier DMX-Ports je Anschluss gebündelt) oder als RJ45-Modul mit 12 einzelnen Buchsen. Gerade die RJ45-Variante macht den nodeHD 24 für Festinstallationen interessant, wo ohnehin mit Netzwerkbuchsen und Patchfeldern gearbeitet wird. Dazu kommt die direkte Ansteuerung von seriellen LEDs (unter anderem WS2812): bis zu 12.240 LEDs aus einem einzigen Gerät, ohne externe Konverter.
dmXLAN Buddy, fürs Toolcase. Zwei programmierbare DMX-Ports (Ein- oder Ausgang), Netzwerkanschluss, Stromversorgung per USB. Ein normales Handy-Ladegerät genügt. Eine Besonderheit: Der Buddy arbeitet auf Wunsch als Focus Remote mit Speicherplätzen und Gruppen. Dazu verbindet man sich per Smartphone-Browser mit seiner IP-Adresse und kann beim Einleuchten DMX-Werte ausgeben. Eine Person richtet ein, niemand muss dafür am Pult sitzen.
dmXLAN Switches, tourtaugliche Netzwerkverteiler. ELC formuliert es selbst so: dmXLAN-Switches sind für Live-Entertainment-Anwendungen entwickelt, wo eine Mischung von Datenprotokollen handelsübliche Netzwerk-Switches überladen und sättigen würde. Der kompakte Switch 6 ist passiv gekühlt (kein Lüfterrauschen), bietet sechs Gigabit-Ports mit PoE(+) und insgesamt 90 Watt Leistungsbudget für angeschlossene Geräte. Dank M10-Gewinde und Safety-Punkten hängt er direkt in der Traverse. Die größeren SwitchGBx 10 und 18 bringen VLANs, redundante Verbindungen und Trunking mit. Über vordefinierte VLAN-Modi (unter anderem Audio, Video, DMX, sACN, Intercom, Security) bleiben die Gewerke im selben Netz sauber getrennt. Wer die Verbindungen zwischen den Geräten als Ring verkabelt, schafft Ersatzwege in Echtzeit: Fällt eine Leitung aus, bleibt die Kommunikation bestehen.
nodeGBx 8 Slaves, die Skalierung. An einen SwitchGBx lassen sich bis zu 15 Slave-Einheiten anschließen, zentral verwaltet über den Switch oder die Software. Das Ergebnis: ein einziges Rack mit 120 frei programmierbaren DMX/RDM-Ports. Zusätzliche Geräte wie DMX-Splitter werden damit überflüssig, da jeder Port effizient und zielgerecht verwendung finden kann.
Was dmXLAN besonders macht
- Die Kommandozentrale gibt es gratis, ohne Lizenzmodell. dmXLAN v4 kostet nichts und konfiguriert, testet und steuert Scheinwerfer ganz ohne Lichtpult. Wichtig dabei: Gesteuert wird immer über die dmXLAN Nodes. Die Software gibt die Werte vor, das DMX-Signal zu den Scheinwerfern erzeugen die Nodes an ihren Ports. Bei Scheinwerfern und Konsolen spielt der Hersteller dagegen keine Rolle. In der Praxis heißt das: Hängen die Geräte an dmXLAN Ports, funktionieren Einleuchten, Line-Check und Patch-Kontrolle, bevor das Pult überhaupt ausgepackt ist.
- Überblick statt Blindflug. Die Software überwacht das gesamte Lichtsystem: DMX-Universen, RDM-Geräte, Netzwerkequipment und auch Controller und Konverter von Drittherstellern. In der Plan View ordnen Sie Ihr Rig als 2D-Plan an, sehen die Verbindungen und beobachten Fixture-Parameter direkt in dieser Ansicht. Auf Wunsch protokolliert das System Daten, DMX-Werte und Verbindungszustände. Das hilft bei der Diagnose und dient als Übergabedokumentation, mit der sich im Zweifel auch belegen lässt, dass die Anlage stabil lief.
- Ausfallsicherheit in 50 Millisekunden. Netzwerke lassen sich redundant bauen. Am letzten Meter, dem DMX-Kabel zur Scheinwerferkette, wird aber jede Anlage wieder verwundbar: Ein gezogener Stecker legt alle dahinterliegenden Geräte lahm. Das dmXLAN-Backup schließt diese Lücke mit einem einfachen Trick. Das Ende der DMX-Kette wird zurück in einen zweiten Node(-Port) geführt, der als Backup konfiguriert ist. Reißt die Kette, übernimmt dieser Port innerhalb von 50 Millisekunden (maximal 2 DMX-Frames) - selbst ein Wimpernschlag dauert länger. Auf dem Rig sind dabei praktisch keine Aussetzer zu sehen, das Publikum bekommt nichts mit.
- Offline vorbereiten, entspannt aufbauen. Die komplette Konfiguration entsteht am Schreibtisch, ohne dass ein einziges Gerät angeschlossen oder eingeschaltet ist. Beim Load-in wird die vorbereitete Datei nur noch mit der Realität abgeglichen.
- Offene Standards statt Insellösung. dmXLAN spricht Art-Net, sACN und ShowNet. Lichtpulte beliebiger Hersteller, die diese Standards nutzen, arbeiten damit über dmXLAN-Infrastruktur. Die Konsolenwelt ist hier Nachbar, nicht Konkurrent. Neue dmXLAN-Geräte melden sich standardmäßig im klassischen Art-Net-Adressbereich (2.x.x.x). Andere Art-Net-Geräte im lokalen Netz können darum ohne Zusatzkonfiguration mit ihnen kommunizieren.
- Vom Handteller bis zur Mainstage. Dieselbe kostenlose Software verwaltet den USB-versorgten Buddy im Kleintheater genauso wie das 120-Port-Rack auf dem Festival. Wer klein anfängt, muss später nichts wegwerfen.
Praxisbeispiel QR-Adressierung
Große Rigs zu adressieren war lange Handarbeit, an jedem Gerät einzeln oder mühsam per Suchen und Identifizieren am Rechner. Mit der App dmXLAN QR (iOS/Android) genügt es, den RDM-QR-Code am Scheinwerfer zu scannen. Die App verknüpft das Gerät mit der Fixture ID im Showfile, das System setzt DMX-Adresse und Mode im Hintergrund automatisch per RDM. Der Techniker scannt im eigenen Tempo weiter, wie bei einer Inventur.
Für wen lohnt sich das?
Touring und Events: Die Projektdatei entsteht offline im Büro und wird vor Ort nur noch verifiziert. Beim Einleuchten läuft man mit dem iPhone oder iPad durchs Rig. Der Fixture Tester für iOS und iPadOS testet Fixtures, steuert RDM und synchronisiert sich mit der dmXLAN-Datei, sodass niemand am Laptop kleben muss. Sporadische Fehler während der Proben werden mitgeloggt, danach lässt sich nachvollziehen, was wann in welchem Zustand war.
Architektur- und Festinstallationen: Nodes und Switches werden in Betrieb genommen und die Installation per Log dokumentiert. Eine Baseline-Konfiguration wandert ins Archiv. Bei Servicebesuchen werden Logs exportiert und Universen, Geräte und Netzwerk über die Zeit beobachtet.
Service und Verleih: Liegt die Störung an der Quelle, am Netzwerk, am Node-Port oder am Scheinwerfer? Mit Monitoring, RDM-Abfrage und Logs lässt sich das systematisch eingrenzen, statt stundenlang Kabel zu tauschen.
